Wald und Wild - Ökologische Waldentwicklung

Wildstandsschätzung für Rehwild (Capreolus capreolus) und Rotwild (Cervus elaphus) (Estimation of population density of roe deer (Capreolus capreolus) and red deer (Cervus elaphus))

Strecke im Wildforschungsgebiet


In diesem Projekt wird die Simulation der Entwicklung des Reh- bzw. Rotwildbestandes auf Basis der Abgangsdaten untersucht, die neben der Geschlechtsangabe auch eine jahrgenaue Altersschätzung beinhalten müssen. Hierzu wurden für beide Tierarten seit 1987 entsprechende Datenreihen aufgebaut.
Im Rahmen einer Pilotstudie wurde die Methodik aufgrund der besseren Standardisierung zunächst anhand von Rehwilddaten getestet. Das Untersuchungsgebiet für Rehwild entspricht den Grenzen des ehemaligen Forstamtes Elmstein-Süd von 1987 mit einer Fläche von ca. 4.600 ha. Die daraus abgeleiteten Erkenntnisse wurden beim Rotwild angewendet.
Für Rotwild wurden die Abgangsdaten im 62.800 ha großen Rotwildbewirtschaftungsbezirk Pfälzerwald bis einschließlich dem Jagdjahr 2005 erhoben. Während für den Bereich des Staatswaldes jahrgenaue Altersschätzungen des erlegten Rotwildes vorliegen, wird dieses im Nicht-Staatswald erst ab dem Jagdjahr 1994/95 in Altersklassen eingestuft. Somit galt es zu prüfen, inwieweit die höher aufgelöste Altersdatenstruktur im Staatswald auf die Datenbestände der anderen Flächen übertragen werden kann.
In der Jagdstreckenanalyse fallen starke Ungleichgewichte zugunsten des weiblichen Wildes auf, insbesondere bei den Abschussmeldungen der Kälber. Dieses Ungleichgewicht ist im Nicht-Staatswald besonders ausgeprägt. Die Abschussentwicklung im weiblichen Bestand verläuft in der Gewichtung von Alttieren zu Schmaltieren im Staatswald andersartig als im Nicht-Staatswald. Eine Extrapolation der Altersstruktur erlegter Stücke vom Staatswald in den Nicht-Staatswald ist daher nicht möglich.
Die Datengrundlage für die Rückrechnung im Staatswald war bei einem Maximalalter von 12 Jahren mit einem vernachlässigbaren Fehler nicht berücksichtigter Tiere versehen. Eine mögliche Fehlerquelle liegt jedoch in der Altersschätzung der Tiere. Der Vergleich der Daten aus dem Pfälzerwald mit der Altersgliederung anderer Jagdstrecken lässt eine systematische Unterschätzung des Alters vermuten. Im Mittel der Referenzgebiete wurden 38,7 % der mindestens zweijährigen Tiere (N = 4.500 Stück Rotwild) sieben Jahre und älter geschätzt. Im Pfälzerwald sind es nur 18 %.
Die zur Plausibilitätskontrolle durchgeführte Ermittlung von Zuwachsprozenten anhand der rückgerechneten Bestände zeigt unrealistisch hohe Zuwachsraten. Eine Überprüfung der Abschussentwicklung anhand des Kälber-Alttier-Quotienten weist auf eine über Jahre zurückhaltende Alttierbejagung und damit verbunden anwachsende Bestände hin.
Die zum Vergleich mit der Methode der vollständigen Rückrechnung durchgeführten weiteren Bestandesschätzungsmethoden (Trendformel nach Drechsler (1966) und Faustregel nach BÜTZLER (1986)) führten größenordnungsmäßig zu ähnlichen Resultaten: 250-300 Stück weiblichem Wild bzw. 500-600 Stück Gesamtbestand im Frühjahrsbestand 2006 im 35265 ha großen Staatswald des Rotwildringes Pfälzerwald.
Die Beschreibung des aktuellen Frühjahrsbestands im Rotwildbewirtschaftungsbezirk ist nur mit großen Unsicherheiten möglich. Ursachen dafür sind eine nicht ausreichende Datenqualität insbesondere im Nicht-Staatswald sowie eine auf dem derzeitigen Kenntnisstand nicht vorhersagbare Entwicklung der Abschüsse in der Zukunft. Dringend empfohlen werden ergänzende Parameter der Jagdstreckenerfassung wie körperlicher Nachweis am frischtoten Stück und möglichst exakte Altersbestimmung durch Zahnschliff bei Tieren mit abgeschlossener Zahnentwicklung.

English Summary

In this project simulations based on hunting bag data (age in years and sex is needed) are conducted. Due to better standards the method was tested on roe deer first. The findings are implemented in the framework of the red deer simulations. The age structure of red deer in non-state hunting grounds (only age classes are given) can not be derived from the age structure of state hunting grounds (age estimation in years) because of different hunting strategies. Plausibility checks show a low data quality, especially in non-state areas. An improvement of the hunting bag data is recommended, e. g. the determination of absolute age from growth layers in dental cement.

Kontakt

Ditmar Huckschlag, ditmar.huckschlag(at)wald-rlp.de, Tel.: +49-6131-884-268-181