Wald und Wild - Ökologische Waldentwicklung

Straßen und Rotwild im Pfälzerwald/Nordvogesen (Road and red deer in the Palatinate Forest/Northern Vosgeses)

Das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen ist ein zusammenhängendes Waldgebiet. Es wird jedoch befürchtet, dass der Zusammenhang dieser Landschaft in absehbarer Zukunft durch neue Straßenausbauvorhaben gefährdet ist.

In einer gutachterlichen Stellungnahme wurde der Barriereeffekt von Straßen beispielhaft für die Großsäugerart Rotwild beleuchtet. Ziel war es, den Einfluss geplanter Straßenbauvorhaben auf die Rotwildpopulationen abzuschätzen.

Für viele Säuger, wie Rotwild, geht die Barrierewirkung einer Straße in erster Linie vom Straßenverkehr und von einer eventuell vorhandenen Fahrbahnzäunung aus.

Der zusammenhängende Waldkomplex Pfälzerwald - Nordvogesen umfasst mit einer Fläche von ca. 300.000 ha zwei größere Rotwildpopulationen im Norden und Süden. Populationsökologisch relevante Barrierewirkungen gehen in diesem Gebiet vor allem von den gezäunten und stark befahrenen Autobahnen im Norden (A6) und im äußersten Süden (A4) und teilweise auch von der meist nicht gezäunten, aber ebenfalls stark befahrenen Bundesstraße 10 aus.

Die Autobahnen bilden eine offensichtliche Verbindungsgrenze zu den Gebieten außerhalb des Waldgebietes Pfälzerwald-Nordvogesen, wie den Mittelvogesen im Süden und dem Hunsrückhöhenzug im Norden. Die B 10 hingegen verläuft durch das Zentrum des Waldgebietes. Die mit ca. 20.000 Kfz / Tag befahrene und bereits heute teilweise vierspurig ausgebaute Bundesstraße verläuft somit auf 40 km zwischen Pirmasens und Landau mitten durch die beiden Rotwildteilpopulationen.

Die allerdings nur in wenigen Streckenbereichen gezäunte B 10 dürfte derzeit noch keine Trennung der beiden Bestände bewirkt haben. Nach Prognosen des Rheinland-Pfälzischen Verkehrsministeriums wird die Verkehrsdichte auf der B 10 jedoch in 10 bis 15 Jahren um ca. ein Drittel zunehmen. Zudem ist ein durchgehend vierspuriger Ausbau geplant. Diese Entwicklungen würden eine Erhöhung der Barrierewirkung zur Folge haben. Eine mögliche durchgehende Fahrbahnzäunung würde einer Isolierung der beiden genannten Rotwildvorkommen gleichkommen.

Möchte man einer derartigen Zerschneidung des Waldgebietes entgegenwirken, sind Wiedervernetzungsmaßnahmen z.B. durch Querungshilfen eine denkbare Kompensation.

Weitere Links

Ausführlicher Bericht (1.4Mb, pdf-Format)

Kontakt

Dr. Ulf Hohmann, ulf.hohmann(at)wald-rlp.de, Tel.: +49-6131-884-268-148