Untersuchungen zum Effekt von Klimawandel auf die Wachstumsdynamik von Waldbäumen und ihre Auswirkung auf die Holzdichte und die Kohlenstoffbilanz

Technische Universität München, Lehrstuhl für Waldwachstumskunde; Az.: Mü 01-2015

Zielsetzung:

Durch den Temperaturanstieg, die Verlängerung der Vegetationszeit und einer höheren Stickstoffdeposition wachsen die Bäume in vielen Gebieten Europas besser. Der dGz verläuft aktuell deutlich über dem historischen Niveau und liegt zum Zeitpunkt der Kulmination 5-10 pro Jahr und Hektar über den Ertragstafelwerten. Das Gewicht des zusätzlich gewachsenen Holzes hat jedoch seit 1900 um 5-12 % abgenommen. In der Arbeit wird untersucht, ob sich auch die Dichte des zusätzlich gewachsenen Holzes verändert hat.

Methode:

Auf 41 langfristigen Versuchsflächen der Baumarten Fichte (13), Kiefer (11), Buche (8) und Eiche (9) wurden von 392 Bäumen Bohrkerne gewonnen. Mit einer LIGNOSTATION™ wurden von allen beprobten Jahrringen die mittlere Holzdichte, die Früh– und Spätholzdichte gemessen und der Frühholzanteil ermittelt. Zur Verdeutlichung der Ergebnisse wurden Stammdurchmesser und Jahrringbreite konstant gehalten, so dass der Einfluss des Kalenderjahres auf die Holzdichte hervorgehoben wurde. (Der Standardbaum hat einen BHD von 25 cm und 2 mm Jahren Jahrringbreite) Indem stets nur vollgestockte Versuchsflächen, die immer nur schwach oder mäßig durchforstet waren, konnte die waldbauliche Behandlung als Ursache etwaiger Dichteänderungen ausgeschlossen werden.

Ergebnisse:

Die mittlere Holzdichte nimmt bei allen 4 Baumarten mit zunehmendem Kalenderjahr ab.

 
 

Demnach nehmen Bäume und Waldbestände zwar schneller an Größe und Holzvolumen zu, ihre Holzdichte hat sich aber seit 1900 beträchtlich verringert.

Folgerungen:

  • das Risiko von Schnee- und Windbruch nimmt zu
  • die Festigkeit von Nutzholz nimmt ab
  • der Brennwert von Holz nimmt ab
  • klimawirksame Kohlenstoffbildung der Wälder wird überschätzt (für die Wälder in Mitteleu-ropa liegt die traditionelle Schätzung etwa 10 Millionen Tonnen zu hoch)

Besonderheit:

Im Gegensatz zum mittleren Trend im Untersuchungsgebiet nimmt die Holzdichte auf den Versuchsflächen Rheinland-Pfalz (Eiche (3), Buche (1)) nicht ab. Bei der Buche steigt sie sogar im letzten Jahrzehnt signifikant an.


Vermutete Ursache:

Auf den eher mittleren oder ärmeren Standorten Rheinland-Pfalz dürfte die Limitierung durch Wasser und Nährstoffe den Effekt der anderen Faktoren begrenzen.