Flora und Vegetation des Naturwaldreservats Stelzenbach im Vergleich zum Wirtschaftswald

Universität Göttingen, Abt. Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen; Az.: Göttingen 02/14

Zielsetzung und Methode:

Das Naturwaldreservat Stelzenbach im Niederwesterwald wurde 1995 aus der Nutzung genommen. Es repräsentiert die in diesem Wuchsbezirk dominierenden bodensauren Buchen- und Buchenmischwälder auf unterdevonischen Quarziten, die in Abhängigkeit von Bimstuffauflagen in reichere Buchenwaldgesellschaften übergehen. Entlang von Bachläufen und an Quellaustritten finden sich im Naturwaldreservat Erlen-Eschen-Sumpfwälder in enger Verzahnung mit den Buchenwäldern. Eine vegetationskundliche Charakterisierung des Naturwaldreservats fehlte jedoch bisher. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es daher, die Vegetation auf zwei vorhandenen Kernflächen mit dauerhafter Verpflockung sowie im gesamten Naturwaldreservat zu erfassen. Die Kernflächen repräsentieren dabei einen potentiell natürlichen Buchenreinbestand und einen bewirtschaftungsbedingt baumartenreicheren Buchen-Mischbestand. Eine Auftrennung beider Kernflächen in ungezäunte und gezäunte Bereiche erlaubte zudem einen Abschätzung des Wildeinflusses. Die Ausweisung einer bewirtschafteten Vergleichsfläche in direkter Nachbarschaft, in denen ebenfalls Dauerflächen eingerichtet wurden, sollte auch den Einfluss der Bewirtschaftung in diesen Buchenwaldgesellschaften quantifizieren.

Ergebnisse:

Das Naturwaldreservat ist ausgesprochen arm an Gefäßpflanzen und bodenbewohnenden Moosen. Ursache dafür ist eine geringe Lichtverfügbarkeit am Waldboden und eine dichte Buchenlaubstreudecke. Diese Artenarmut überprägt auch einen möglichen Wildeinfluss, der bei der Gegenüberstellung ungezäunter und gezäunter Flächenbereiche nur anhand weniger Parameter ausgemacht werden konnte (höhere Strauchschichtdeckung im Zaun; höhere Artenvielfalt in Strauchschichthöhe im Zaun). Eine größere Artenvielfalt in den Kernflächen, aber auch im Rest des Naturwaldreservats, ist an das Vorkommen feuchterer Bereiche (Bachläufe, Quellaustritte) gebunden, an denen die dichte Laubstreu schneller zersetzt wird und die Nährstoffverfügbarkeit erhöht ist. An Bachläufen zeigen sich dementsprechend Übergänge zu artenreicheren basiophilen Buchenwaldgesellschaften, u.a. mit dem Vorkommen von Hischzunge (Asplenium scolopendrium) und Seidelbast (Daphne mezereum). An Quellaustritten dominiert vor allem die Winkel-Segge (Carex remota), aber auch der Wald-Schachtelhalm (Equisetum sylvaticum) oder das Bittere Schaumkraut (Cardamine amara). Störstellen fördern ebenso die pflanzliche Artenvielfalt, da sie immer wieder offenen Boden für die Keimung bieten. Bodenverwundungen und ein offeneres Kronendach sorgen dementsprechend dafür, dass im Wirtschaftswald mehr Arten zu finden sind als im Naturwaldreservat. Gefördert werden aber vor allem Generalisten, D.h. Arten, die im Wald und Offenland gleichermaßen konkurrenzfähig sind. Kronenauflichtungen im  Buchen-Reinbestand des Naturwaldreservats in der Kernfläche 1 zeigen in der Verjüngung eine deutliche Dominanz der Buche, die sich in kleinen Lücken flächendeckend ausgebreitet hat. Auch im Wirtschaftswald, der reicher an Mischbaumarten ist, hat sich bisher nur die Buche erfolgreich etabliert, so dass es langfristig zu einer Entmischung der Bestände kommen wird. Zukünftige Aufnahmen von Vegetation und Verjüngung auf den Dauerflächen werden im Vergleich zu den aktuell präsentierten Aufnahmen zeigen, wie das Naturwaldreservat Stelzenbach auf zukünftige mögliche Störungen und Umweltveränderungen reagieren wird. Interessant ist dabei besonders die Entwicklung der heute noch zahlreich in der Krautschicht vorhandenen Mischbaumarten mit und ohne Schalenwildeinfluss.