Wald und Wild - Ökologische Waldentwicklung

Einfluss der Kirrung auf die Ernährung von Wildschweinen

Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der TU München, Direction des Eaux et Forêt, Luxembourg und LUFA Speyer.

Einleitung:
Seit den 70er Jahren hat sich die Schwarzwildstrecke in Deutschland und Luxemburg verzehnfacht, was auf eine Ausweitung des Vorkommensgebietes und eine enorme Zuwachssteigerung zurückgeführt werden kann.
Obwohl eine klare Kausalanalyse der letztlich verantwortlichen Faktoren für den Bestandesanstieg fehlt, wird unter anderen als Ursache eine teilweise unverhältnismäßig hohe Verabreichung von Futtermitteln über eine unsachgemäße Kirrungspraxis genannt.
Diese Studie soll die Quantifizierung des Einflusses von Futtermitteln bzw. Kirrmaterialien durch Bestimmung der verdaulichen Energiegehalte auf eine bessere Grundlage stellen.

Methode:
Im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte wurden in Luxemburg in den Jahren 2003 - 2005 894 und dem Pfälzerwald in den Jahren 2002-2003 698 Mageninhaltsproben erlegter Wildschweinen gesammelt und pro Nahrungskategorie die für Hausschweine ermittelte umsetzbare bzw. verdauliche Energie in Megajoule (Kürzel: MJ(ME-S) ) pro Kilogramm Trockensubstanz (Kürzel: KG(TS)) mittels "Weender Verfahren bestimmt.

Erste Zwischenergebnisse:
Mischproben der Kategorie "Körnermais" lieferten mit durchschnittlich 15 - 16 MJ(ME-S) pro KG(TS) die höchsten Energiewerte. Mischproben der Kategorie "Baummast" beinhalteten mit 12 - 13 MJ(ME-S) pro KG(TS) 17 % und 23 % weniger Energie. Für die Kategorien "Grüne Pflanzenteile", "Feldfrüchte" sowie "Braun-schwarzer Brei" wurden die niedrigsten Energiewerte zwischen 10 - 11 MJ(ME-S) pro KG(TS) festgestellt (Abbildung Messwerte). Während in Luxemburg kaum jahreszeitliche Unterschiede im Energiegehalt der einzelnen Nahrungskategorien auftreten, stiegen die Energiewerte im Pfälzerwald für die Kategorien "Braun-schwarzer Brei" und "Grüne Pflanzenteile" zum Winter hin an. Bemerkenswert ist der hohe Energiewert für die Mischprobe "Grüne Pflanzenteile" Dez.-Feb. 02/03 aus dem Pfälzerwald mit 16 MJ(ME-S) pro KG(TS). Dies ist vor allem auf einen für grüne Pflanzennahrung ungewöhnlich hohen Fettgehalt von 10 % zurückzuführen gewesen.

Fazit und Ausblick:
Die ersten Ergebnisse deuten an, dass Futtermais als auch Baummast aufgrund des hohen Energiegehalts ein hoher Nährwert für Wildschweine zukommt. Der tägliche Energiebedarf wäre dann über die Aufnahme eines Kilogramms ausgebrachten Mais mehr als abdeckt, vorausgesetzt, dass der bei Hausschweinen ermittelte Ruheenergiebedarf pro TaG von ca. 11 MJ auch für Wildschweine zutrifft.
In weiteren Berechnungen werden Mischenergiegehalte für alle gesammelten Mageninhalte auf der Grundlage dieser kategorieweise erhobenen Werte errechnet.

Weitere Links

Abbildung Messwerte

Literatur

Kontakt

Dr. Ulf Hohmann, ulf.hohmann(at)wald-rlp.de, Tel.: +49-6131-884-268-148